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Schlagwort: Glückliches Leben

Nahaufnahme von Pusteblumen-Samenschirmen in gedämpftem Blau

Umgang mit emotionalen Schmerz | Zeit für ein Herzsehen

Wie können wir mit emotionalem Schmerz umgehen?

Zeit für ein Herzsehen

Können wir mit dem Herzen gut sehen?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ – das sind die bekannten Worte des kleinen Prinzen aus dem gleichnamigen Buch Der kleine Prinz von Saint-Exupéry. Wie geht es dir mit diesem Satz? Kannst du das Wesentliche der Dinge mit dem Herzen erkennen? 

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, lade ich dich ein, für einen Moment innezuhalten: Wie fühlt sich dein Körper an, wenn du emotionalen Schmerz wie Trauer oder den ganz normalen Wahnsinn des Alltagsstresses erlebst? In welchem Körperteil offenbaren sich dir diese Erlebnisse? Wo spürst du deinen emotionalen Schmerz?

Wenn ich im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit meinen Klientinnen und Klienten diese Frage stelle, bekomme ich in den meisten Fällen das Herz als Antwort. (Ein weiterer Favorit ist der Bauch. Dazu in einem anderen Artikel mehr.)

Aus dieser Erkenntnis ergibt sich die Frage: Wenn wir unseren Schmerz im Herzen spüren, können wir dann mit dem Herzen gut sehen? Vernebelt der Schmerz nicht die Sicht auf unser Herz, beziehungsweise unser Herzsehen? Schliesst das eine das andere nicht aus? Daher können die Worte des kleinen Prinzen, dass sich mit dem Herzen gut sehen lasse, im ersten Augenblick irritieren. Jedenfalls ging es mir so. Denn was lässt sich mit dem Herzen gut sehen?! Auf wen oder was haben wir eine gute Sicht? In diesem Artikel gehe ich dieser Frage nach. Es geht darum, zu verstehen, was wir mit dem Herzen gut sehen und warum das Herzsehen für unsere seelische Gesundheit essentiell ist. 

Emotionaler Schmerz zeigt sich oft im Herzen

Wie oben erwähnt, manifestiert sich unser emotionaler Schmerz oftmals in unserem Herzen. Emotionaler Schmerz ist somit definitiv etwas, was wir mit dem Herzen gut sehen können. Dieser kann die Form von einem Stechen, Enge- und Druckgefühl annehmen (nicht zu verwechseln mit körperlich bedingten Herzschmerzen wie bei einem Herzinfarkt oder einer Angina, die unverzüglich medizinischer Betreuung bedarf!). Bei Stress steigt unsere Herzrate, was wir in der Form von Herzrasen und einem erhöhten Puls wahrnehmen. Nicht selten haben Menschen das Gefühl, dass der Herzschmerz sie schier zerreißt. Dieser Schmerz kann erst einmal in die Irre führen. Nichts mit einer guten Sicht! Das Einzige, was in solchen Momenten eben sichtbar erscheint, ist der emotionale Schmerz, der sich in unserem Herzen breitmacht. Aber eine gute Sicht auf etwas Wesentliches scheint nicht wirklich durchzudringen. Oder doch? Was passiert da? 

Emotionaler Schmerz ist real

Das Herz reagiert nicht ohne Grund auf emotionalen Schmerz. Denn ebenso wie körperlicher Schmerz ist emotionaler Schmerz eine Realität. Wenn unser Herzraum aufgrund einer schwierigen Erfahrung schmerzt, werden Hirnareale ähnlich wie bei körperlichem Schmerz aktiviert (Das gilt für emotionalen Schmerz generell. Die Forscherin Prof. Dr. Naomi Eisenberger erforscht dieses Phänomen, besonders auf sozialen Schmerz bezogen. https://sanlab.psych.ucla.edu/overview/).

Daher ist die Macht und die Überwältigung, die emotionalem Schmerz innewohnt, nicht verwunderlich und eben auch, dass uns dieser starke Herzschmerz in die Irre führen kann. Doch ähnlich wie in Sagen, Mythen und Legenden liegt der Schatz oft in der Dunkelheit verborgen. Und was könnte dort, in den Tiefen des Herzens, liegen?

Alte Weisheitslehren und Traditionen können uns einen Hinweis auf diese Fragestellung geben. In diesen wird dem Herzen eine hohe Bedeutung auf dem Pfad der persönlichen und spirituellen Entwicklung zugesprochen. Das Herz wird als Sitz der Liebe und Weisheit, als eine Form von Kern oder Zentrum des Menschen gesehen. Im alten Ägypten wurde das Herz der Verstorbenen gegen die Feder der Göttin Maat auf eine Waage gelegt. Das Herz sollte leicht wie die Feder der Göttin Maat sein, die Gerechtigkeit, Harmonie und Ordnung symbolisierte.

Ein Herz, das sich leicht und frei anfühlt, ist der Wunsch vieler Menschen. Wir können uns vorstellen, dass diese Leichtigkeit unter dem Mantel des Schmerzes verborgen liegt und wir den Weg zu dieser Leichtigkeit ebnen können.

Es kann irritierend sein, wenn wir in einigen Situationen keinen Zugang zu dieser Leichtigkeit und Freiheit erfahren. Ist sie doch da! Ein Verständnis für die Natur des Herzens kann Licht auf dieses Phänomen werfen. 

Das Herz ist mehr als eine Pumpe

Auch wenn das Herz in unserem Breitengrad häufig auf eine Pumpe reduziert wird, die für die Blutversorgung des Körpers zuständig ist, erfüllt das Herz weit mehr Funktionen – so ist es auch ein bedeutendes Wahrnehmungsorgan. Dein Herz reagiert auf dein Denken, deine Gefühle und Emotionen, auch dein Handeln.

Das Herz ist sehr fein und sensible. Wir können uns das Herz in dieser Hinsicht als einen Spiegel unseres Innenlebens vorstellen. Greifen wir die Worte aus dem Buch der kleine Prinzen auf, kann das Herz unseren Seelenzustand gut sehen. Also das, was sich in unserer Seele abspielt. Unsere Gedanken und Gefühle können wir vor unserem Herzen nicht verstecken. Dafür dürfen wir dem Herzen sehr dankbar sein, denn unser Herz lässt uns wissen, was in unserem Seelenleben Aufmerksamkeit benötigt.

Das Herz spiegelt den Zustand unseres Innenlebens, unsere Gefühle und Gedanken wieder,  jedoch nicht zwingend die objektive und ultimative Realität. Vielmehr lädt dein Herz dich ein, dem Ursprung deiner Gedanken und Gefühle auf den Grund zu gehen. Beispielsweise kannst du in deinem Herzen empfinden, dass du dich nicht gesehen und gewürdigt fühlst. Das ist erst einmal eine subjektive Wahrnehmung. Auch wenn es im Aussen einen Auslöser für dieses Gefühl geben mag, vielleicht ein Vorgesetzter/eine Vorgesetzte, der dir gegenüber eine vermeintlich unberechtigte Kritik äussert, ist die fundamentalere Frage: kannst du dir die Wertschätzung geben, die du dir von deinem Umfeld wünschst?

Selbstverständlich brauchen wir eine Basis an Wertschätzung und Unterstützung. Kein Mensch ist eine Insel. Besonders bei Kindern ist dies der Fall. Je älter wir jedoch werden, desto wichtiger wird in erster Linie die Beziehung zu uns selbst. Daran führt kein Weg vorbei. Ultimativ geht es um die Verbindung zu uns selbst. Würdigst du dich? Erkennst du dich an?

„Das Herz ist ein Spiegel unserer Seele“

Herzschmerz und alte Wunde

Ein starker emotionaler Schmerz im Herzen, der dich schier zu zerreissen scheint, kann ein Hinweis für einen alten Schmerz, eine alte Verletzung sein. In der Schematherapie wird dies der verletzte Kindmodus genannt.

Ein schmerzendes Herz fordert dich auf, dem Schmerz zu begegnen. In der yogischen Philospohie wird Leid, auch emotionales Leid, Dukha genannt und es ist essentiell diesem zu begegnen. Wir brauchen einen Dialog mit dem Herzen, einen Herzdialog.

Verwirrung entsteht, wenn wir durch den Schmerz motiviert, in die Aktion springen und ohne in einen Herzdialog zu gehen. Was erst einmal utopisch und nach hoher spiritueller Kunst klingt, ist ein fester Bestandteil moderner Psychotherapie, in der es darum geht, dem eigenen emotionalen Schmerz zu begegnen und ihn kennenzulernen. Durch diese Einsicht können wir eine Differenzierungsfähigkeit entwickeln, die uns darin unterstützt, den eigenen Anteil in einer Situation zu erkennen. Werde ich wirklich fortwährend kritisiert oder blicke ich durch die Brille meines alten Schmerzes auf die Situation. In der Yogaphilosophie wird diese Fähigkeit Viveka genannt. Hier kommen wir dem guten Sehen mit dem Herzen näher.

Wir tauchen in die tiefere Schichten des Herzens ein. Die Schichten, die unter dem Vorhang des emotionalen Schmerzes liegen. Hier befinden wir uns in einer anderen Art des Sehens und Fühlens, die dem Kern des Herzens innewohnen.

In vedischen Schriften heisst es, unser Selbst gleiche der Grösse unsers Daumens und wohne dem Herzen inne. Mit Selbst ist der Anteil gemeint, der sich wohlwollend beobachtet und sich mit Liebe und Mitgefühl begegnet. Es ist die Schicht des Herzens, mit der wir uns durch das Yoga und die Meditation verbinden.

Der emotionale Schmerz, der sich um unser Herz legt, kann die Sicht auf den Kern des Herzens versperren. Mit Hilfe von Viveka, Differenzierungsfähigkeit, räumen wir den Weg frei, um den Kern des Herzens zu sehen. Wir erlangen Zugang zum Ursprung unseres Herzen und stellen dessen Urzustand her, aus dem Liebe und Mitgefühl hervorgehen.

Rein in den Herzdialog. Raus aus dem Schmerz.

Der erste Schritt zu einem guten Herzsehen besteht darin, den emotionalen Schmerz im Herzen anzuerkennen und sich möglicher Auslöser gewahr zu werden. Doch wie sieht das ganz praktisch aus?

Das ABC Modell aus der kognitiven Verhaltenstherapie kann ein erster Schritt sein, um ein Bewusstsein für die Situation zu schaffen. 

A für Auslöser. Was ist der Auslöser für den emotionalen Schmerz in deinem Herzen? Das Feedback in einem Mitarbeitergespräch? Deine Freundin, die sich auf deine Nachricht noch nicht gemeldet hat? Eine Absage von einem potentiellen Arbeitgeber?

B für Bewertung. Was sind die ersten Gedanken, die dir in Bezug auf diese Situation durch den Kopf gehen? Immer ich? Ich bin eine Versagerin? Es ist mir peinlich? Nie kann ich mich auf andere verlassen! Es war schon immer so, seit ich denken kann.

C für Konsequenz (C weil es aus dem Englischen kommt). Wir reagiert in der Konsequenz dein Körper? Was fühlst du? Und was passiert auf der Verhaltensebene? Mein Herz schlägt schneller. Ich spüre einen Druck und eine Schwere in meinem Herzraum. Ich werde traurig und wütend, ziehe mich zurück, will mit niemanden reden. Vielleicht reagiere ich genervt auf meine Mitmenschen.

Diese Übung ist der Anfang für ein gutes Herzsehen. Achte bei der Übung auf Absolutismen wie „immer ich” und auf die Vergangenheit bezogene Sätze wie “das war schon immer so….”. Oftmals sind es Sätze wie diese, die den emotionalen Schmerz im Herzen befeuern.

Mit dem Herzen das Wesentliche sehen

Je besser wir uns dem emotionalen Schmerz, der sich um das Herz legt, gewahr werden, desto eher kann das Herz seine eigentliche Natur, das Wesentliche sehen. Wir dringen in den Kern des Herzens vor, aus dem das entspringt, was wir mit dem Herzen in der Regel in Verbindung bringen: Liebe, Mitgefühl, Herzenswärme.

Den Schmerz des Herzens zu sehen und seinen Ursprung besser zu verstehen, reicht alleine nicht aus. Ein schmerzendes Herz braucht Zuwendung. Wir können uns entscheiden, wohlwollender und liebevoller mit uns umzugehen, auch wenn wir Liebe und Wohlwollen nicht gleich auf der Gefühlsebene wahrnehmen.

Am Anfang war die Intention

Statt auf das Gefühl zu warten, setze bei deiner Intention an. Es reicht schon aus, dir innerlich zu sagen: ich entscheide mich, mich selbst zu lieben und anzunehmen. Ja, Ecken und Kante habe ich auch, doch ich werde lernen, mit diesen Ecken und Kanten umzugehen. Ich sehe sie, übernehme Verantwortung für sie und mache meine Selbstliebe und mein Selbstmitgefühl nicht von diesen Ecken und Kanten abhängig.

Die folgende Visualisierungsmeditation kann dich in diesem Schritt unterstützen und dein Herzsehen stärken: Wenn der emotionale Schmerz in deinem Herzens aktiviert ist, stelle dir vor, wie sich zwei wohlwollenden Hände um dein Herz legen, den Schmerz im Herzen wegschmelzen, dein Herz halten und wärmen.

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Zeit für ein Herzsehen

“Man sieht nur mit dem Herz gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Dein Herz schenkt uns tiefe Einblicke in unser Seelenleben. Das kann manchmal überwältigend sein. Durch ein Verständnis für die Sprache des Herzens, können wir mit Klarheit auf das Wesentliche blicken. Springen wir stattdessen in die Aktion, kann sich unser Leid und unsere Verwirrung verstärken. In den Worten des indischen Philosophen Krishnamurti: “Ich erkenne, dass jede Handlung, die aus der Verwirrung geboren wird, weitere Verwirrung mit sich bringt oder zu ihr hinführt.” (Wege aus dem Chaos, S. 26). Zeit für einen Herzdialog!

Zum Hören und Verweilen, der Artikel als Podcast auf YouTube 

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Nebliger Waldweg zwischen hohen Bäumen – Von der Kunst der inneren und äusseren Harmonie und Ordnung

Von der Kunst der inneren und äusseren Harmonie und Ordnung

Von der Kunst der inneren und äusseren Harmonie und Ordnung

Und wie uns Werte und engagiertes Handel unterstützen können

Der Name Feng Shui ist den meisten wahrscheinlich schon einmal in einem Bücherladen oder VHS Kursprogramm über den Weg gelaufen. Feng Shui ist eine aus China stammende Kunst der Harmonisierung. Meist geht es darum, die äussere Umgebung mit dem Menschen und dessen Alltag zu harmonisieren. Zum Beispiel können wir unser Haus so gestalten und einrichten, dass Gesundheit und Wohlbefinden gefördert werden. Dabei geht es um mehr als nur Ästhetik. Hinter der Kunst der Harmonielehre stehen ganz bestimmte und genaue Prinzipien und Gesetzmässigkeiten, welche alten Traditionen und Weisheitslehren entspringen. Im Falle des Feng Shui entstammen diese den taoistischen Lehren.

Feng Shui kann in vielen Bereichen eingesetzt werden. Ganze Städte können nach dem Prinzip des Feng Shui gestaltet werden. In unserem Breitengrad ist Feng Shui am meisten für das Einrichten von Wohnräumen bekannt. Wo sollte das Bett stehen? Zu welcher Himmelsrichtungen sollte es ausgerichtet sein? Antworten auf diese Frage finden wir in den Lehren des Feng Shui.

Auch ausserhalb der chinesischen Kultur gibt es Formen der Harmonielehre. Aus den alten Traditionen Indiens ging die Lehre des Vastu hervor. Ähnlich wie Feng Shui richtet sich Vastu vor allem nach den Naturprinzipien. Es werden Wohnräume in Harmonie mit den fünf Elemente und den Himmelsrichtungen abgestimmt und in Einklang gebracht. Vastu gleicht in dieser Hinsicht einer Wissenschaft. Nicht umsonst gibt es ganze Bücher und Studien zu diesem Thema.

Für gewöhnlich werden die Vastuprinzipien auf die Gestaltung von äusseren Räumen, Wohnräumen, angewandt. Als ich von der Vastu-Lehre das erste Mal hörte, frage ich mich, ob wir nicht auch ein Einrichtungsprinzip für unsere inneren Stübchen, unsere Innenwelt brauchen. Spricht man mit jemanden über das Einrichten von Wohnräumen, scheint es ganz klar und intuitiv, dass diese harmonisch und ästhetisch eingerichtet werden sollten. Wenn wir über das Einrichten unserer inneren Welt sprechen, ist es schon nicht mehr ganz so intuitiv, obgleich ich in meiner Arbeit als Psychologin und Psychotherapeutin immer wieder erlebte, dass wir gerade von einem bewussten Einrichten unserer inneren Räume, unseres Seelenraums, profitieren würden. Würde es nicht Sinn machen, für das innere Stübchen eine Form von Harmonielehre anzuwenden? Eine Art von Anleitung, die sowohl die Harmonie im Inneren herstellt, als auch mit den Dissonanzen und Kakofonien, die durch herausfordernde Gefühle, Gedanken, oder schlichtweg dem Alltag, entstehen, umgehen kann.

Was brauchen wir, um unsere Seelenlandschaft gemütlich und freundlich einzurichten? Schliesslich wollen wir uns in unserem inneren Haus genauso wohlig fühlen wie in unserem äusseren Haus.

Alte Weisheitslehren wie das Yoga, auch unsere Mythen und Märchen, können uns Hinweise für unsere sogenannte Inneneinrichtung geben. In dieser Hinsicht sind die Bücher der Autoren und Autorinnen Joseph Campbell, Wolf-Dieter Storl und Marion Woodman sehr empfehlenswert. Auf diese wird noch an anderer Stelle im Detail eingegangen.

Doch wir müssen gar nicht so weit in die Geschichte zurückblicken. Die Weisheiten alter Traditionen treten auch in zeitgenössischen Ansätzen in Erscheinung, zum Beispiel in der Akzeptanz und Commitment Therapie (hört man sich einen Vortrag von Steven Hayes, einer der Begründer von ACT, an, lässt er hier und da durchscheinen, dass er schon in die Gefilde der alten Weisheitslehren geschwommen ist).

Einer der wichtigsten Konzepte von ACT ist zum einen die Arbeit mit den Werten und zum anderen das danach ausgerichtete Handeln.

Wir können uns dabei Werte als unsere Inneneinrichtung vorstellen. Sie beleben unseren Seelenraum. Jedes Werteensemble schenkt unserem inneren Stübchen sein eigenes Ambiente. Werte sind belebend und lassen uns schwierige Zeiten überstehen, denn sie geben uns Orientierung und Hoffnung. Sind wir mit unseren authentischen Werten, unseren Herzenswerten, in Verbindung, reicht oftmals nur ein Gedanke an diese und wir fühlen uns belebt und berührt.

Werte können uns anspornen, in die Handlung zu kommen. Vor allem dann, wenn wir merken, dass ein wichtiger Wert nicht gelebt wird. Aus meiner Erfahrung als Psychologin und Psychotherapeutin sind es vor allem die immateriellen Werte, die uns beleben: Gemeinschaft, Natur, Liebe, Mitgefühl, Zusammenhalt, Bewegung, Kreativität, sind nur ein paar Beispiele aus einer langen Liste an Werten.

Werte gleichen der Inneneinrichtung unserer inneren Seelenwelt, indem sie diese mit ihrer Farbe und Lebendigkeit beleben und uns auch eine gewisse innere Ordnung und Orientierung geben. Dabei sind diese innere Ordnung und Orientierung nicht starr. Ganz im Gegenteil! Sie lassen Raum zum Bewegen und fördern die innere Bewegung sogar. Denn wir bewegen uns nicht (mehr) in einem dunklen, leeren Raum, in dessen Leere wir uns jeden Moment verlieren können. Auch ist unser innerer Raum nicht chaotisch, gleich einem Raum, in dem Möbel kreuz und quer stehen, Bücher und Kleidung verstreut auf dem Boden liegen. Unsere Werte sind vorsichtig kuriert, ausgewählt und platziert, sodass sie harmonische Verhältnisse schaffen, die unser Innenleben, unsere Seelenbewegungen beleben.

Die Arbeit mit den Werten braucht Zeit, Aufmerksam und vor allem Herz. Doch die Arbeit, die Widmung lohnt sich. Denn wenn das Leben uns durch einen Sturm der Herausforderungen schickt, sind wir dann nicht froh, ein inneres, gemütliches Stübchen zu haben, in dem wir Zuflucht finden, um wieder aufzutanken und voller Hoffnung und beherzter Tatkraft durch das Leben schreiten zu können?

Fange jetzt an, deine Seelenlandschaft mit Liebe einzurichten.

Fragen, die dir dabei helfen können, deine eigenen Werte zu finden sind:

  • Was ist mir wichtig im Leben?
  • Woran merke ich, dass mir im Leben etwas wichtig ist? Spüre ich eine körperliche Ressonanz (warmes Herz, weiter Herzraum, generelle Wärme im Körper, und so weiter) oder kommen meine Werte „nur“ aus meinem Denken heraus?
  • Wo erlebe ich eine Sinnhaftigkeit? Oder wo in meinem Leben habe ich eine Sinnhaftigkeit erfahren?
  • Als Folgefrage: Warum? Warum erlebe ich eine Sinnhaftigkeit mit diesem oder jenem (diese Frage kann dich in eine zusätzliche Tiefe mit deinen Werten bringen).
  • Habe ich meine Heldinnen/Helden (lebend oder verstorben)? Was inspiriert mich an diesen? Was sagt das über meine Werte, das was mir im Leben wichtig ist, aus?

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Zwei Hände strecken sich in Schwarz-Weiss nach oben ins Licht

Mensch, reguliere Dich!

MENSCH, REGULIERE DICH!

Warum Selbstregulation die wichtigste Stressregulationsstrategie des 21. Jahrhunderts ist 

Das Wort Selbstregulation mag erst einmal trocken und nüchtern klingen. Geht es in der heutigen Zeit nicht vor allem darum, sich Selbst zu verwirklichen? Mehr Ja, weniger Nein? Ich wage zu behaupten, dass die Fähigkeit der Selbstregulation die wichtigste Stressbewältigungsstrategie des 21. Jahrhunderts ist und wir sie als Grundlage für eine nachhaltige und authentische Selbstverwirklichung brauchen. Wenn das mal kein starkes Statement ist. Bähm! Woher meine Vehemenz?

Jedes Jahrhundert bringt seine Herausforderungen mit sich. Völlerei, Konsum und Genuss sind keine Neuerscheinungen des 21. Jahrhunderts (blicken wir nur auf das alte Rom!). Dennoch sind wir gerade in dieser Zeit täglich mit “Verlockungen” konfrontiert, die uns von dem, was uns eigentlich wichtig ist, wegführen. Und Nein! Ich rede nicht davon, sich ein Stück (oder Stücke 🙂 Schokolade zu gönnen, mit einer Tasse Kaffee oder Tee auf dem Sofa zu verweilen und die Wolken am Abendhimmel zu betrachten oder etwas schönes und besonderes zum Anziehen zu kaufen. Das Leben ist schön und möchte in seiner Schönheit und all seinen Facetten wahrgenommen und gelebt werden. 

Der Unterschied liegt in der Motivation. Welches Motiv treibt mich dazu an, die Handlungen auszuführen, die ich ausführe? Konsumiere ich Alkohol, weil mir der Alltag über den Kopf wächst? Kaufe ich wiederholt neue Klamotten, weil das der einzige Weg ist, wie ich für einen Moment meine Sorgen vergessen kann?! Der Grad zwischen Genuss und Kompensation ist ein schmaler. Auch der zwischen Scham und Selbstmitgefühl. Nicht selten finden wir uns in einer Scham-Schuld Schleife wieder, wenn uns eine Ahnung befällt, dass wir durch unseren Konsum tiefsitzende belastende Gefühle und Emotionen vermeiden. 

Von Scham und Schuld zu Selbstregulation und Selbstmitgefühl 

Selbstregulation

Bist du mit deinem Schamgefühl vertraut? Viele Menschen empfinden Scham als etwas zusammenziehendes, lähmendes. Selbstmitgefühl hingegen öffnet den Raum für Verständnis und Liebe. Wir sind in einem Zustand des Gehaltenseins. In diesem Raum der Liebe und des Selbstmitgefühls können wir unsere Motivationen für unser Verhalten betrachten. Tina empfindet Freiheit und Unbeschwertheit, wenn sie Alkohol trinkt. Fabian verbringt den ganzen Abend auf Instagram. Beide können ihre Sorgen und Ängste für einen Moment vergessen. Es ist wichtig, die sogenannte Funktionalität des Verhaltens zu würdigen. Erst wenn wir verstehen, warum wir tun, was wir tun, können wir uns aus unserer Scham-Schuld Schleife befreien und bewusst mit einem grossem “Ja, ich will!”, den Weg der gesunden Selbstregulation beschreiten.

Überspringen wir diesen wichtigen Schritt, bereiten wir den Nährboden für die Trance der Scham und Schuld. Wir entwerten uns für das, was wir tun und verharren letzten Endes in unserem Verhaltensmuster. Daher muss eine gesunde Selbstregulation auf der Basis von Selbstverantwortung und Selbstmitgefühls entstehen. Die Fähigkeit sich zu regulieren, ist eine wahre Herzensangelegenheit und in der Tat das beste Geschenk, was du dir machen kannst.

Konsum als Belohnung

Für die meisten Menschen fühlt sich jegliche Art von Konsum durchaus erst einmal gut an. Na klar! Denn die neusten Feeds der sozialen Medien, das Kaufen von neuen Klamotten, Alkohol- und Pornokonsum, um nur einige Beispiele zu nennen, liefern eine unmittelbare zuckersüsse und wohltuende Belohnung. Ausgelöst wird diese in unserem Belohnungszentrum, welches tief in unserem Hirn sitzt. In diesem Sinne stellt jegliche Art von Konsum schon eine Minidroge dar. Tatsächlich ist der Schritt zur Sucht für viele Menschen leider gar nicht all zu weit entfernt. Selbstverständlich entwickeln nicht alle Menschen eine voll ausgeprägte Medien-, Alkohol-, oder Drogensucht durch gelegentlichen Konsum. Doch der Grad ist ein schmaler. Die gegenwärtige Debatte zur Regulierung des Alkoholkonsums spiegelt diese Problematik wieder. Denn regelmässiger Alkoholkonsum kann für einige Menschen die Weichen für eine spätere Sucht oder gesundheitlichen Problemen stellen.

Wenn Konsum dich konsumiert

Konsumverhalten wird besonders dann zum Problem, wenn es uns davon abhält, den Dingen nachzugehen, die uns wichtig sind und die uns am Herzen liegen. Sandra möchte ihre Masterarbeit schreiben. Jedes Mal, wenn sie den Laptop aufklappt und zum Schreiben ansetzt, “rutscht” ihr Finger aus und sie landet in den sozialen Medien. Tina nimmt sich nach ihrem letzten tagelangen Kater ganz fest vor, den Alkoholkonsum auf der nächsten Party stark zu reduzieren. Nachdem sie zwei Stunden auf der Party ist, hat auch schon der nächste Cocktail den Weg in ihre Hände gefunden und sie denkt sich: “jetzt ist es auch egal wie viel ich heute trinke”. Vielleicht kommt dir die ein oder andere Situation bekannt vor. Auch der Schmerz, der sich im Herzen ausbreitet, wenn wir merken, dass wir von unserem Weg, von unseren Zielen und dem was uns wichtig ist, abgekommen sind. 

Wenn wir doch wissen, was uns wichtig ist und was uns gut tut, warum fällt es uns dann so schwer, es umzusetzen? Die Antwort ist, wie soll es auch anders sein, komplex. Dennoch fallen zwei Faktoren ins Gewicht. Zum einen spielen Emotionen, Gefühle und Empfindungen eine wichtige Rolle. Sie sind die treibende Kraft, die Motivation, die unser Verhalten anspornt und dazu führt, dass wir Dinge konsumieren, oder eben nicht! Zum anderen führt eine schwache Selbstregulation dazu, dass wir nicht in der Lage sind, den Emotionen, Gefühlen und Empfindungen etwas entgegenzusetzen. Wir können sie nicht halten. Dadurch galoppieren sie mit uns davon und wir entfernen uns von unseren Zielen und Herzenswünschen. Noch ehe wir uns versehen, haben sie uns an einen unbekannten Ort geführt. Orientierungslos finden wir den Nachhauseweg nicht mehr. Hinter uns hat sich dichter Nebel aufgetan, der uns jegliche Sicht versperrt. Jetzt heisst es Ruhe bewahren, innehalten und vertrauen. Denn jeder Nebel legt sich früher oder später. Doch du brauchst eine Begleiterin auf deiner Reise: deine Selbstregulation.

Selbstregulation führt dich zurück nach Hause

Bleiben wir bei der Galopp und Pferdemetapher. Deine Selbstregulation ermöglicht es dir, deine Pferde (Emotionen, Gefühle, Empfindungen) behutsam zu halten, so dass ihr auf eurer vertrauten Koppel verweilen könnt. Sprich, du bleibst deinen Zielen, deinen Werten, dem was dir wichtig ist treu. Wenn ihr dennoch die Koppel verlasst, weil ihr Neuland, neue Ziele, neue Werte erkunden möchtet, dann bewusst und in eine von dir ausgewählte Richtung. Das bedeutet, du lenkst dein Verhalten, deine Reaktionen und gehst bewusst durch dein Leben. Dein Selbstvertrauen wird stärker, denn du bist voller Zuversicht und weisst, dass du dich halten und regulieren kannst, auch wenn du mal im Nebel stehst.

Selbstregulation

Achtung: Kontrollfalle 

Dennoch ist bei der Selbstregulation Vorsicht geboten! Wir sind Menschen, keine Maschinen. Daher können wir nicht alles perfekt und vorhersehbar kontrollieren und lenken. Du kannst jeden Tag daran arbeiten, deine Selbstregulation zu stärken und dich, deinen Werten und Zielen entsprechend, zu regulieren. Dennoch kann es passieren, dass du dich im Nebel wiederfindest, weil intensive Emotionen, Gefühle, Empfindungen mit dir davon galoppiert sind oder weil du durch eine Reizüberflutung nicht mehr weisst wo oben und unten ist. Keine Panik. Hier bewährt sich das alte Sprichwort: wenn du vom Pferd fällst, steig wieder auf und bleibe dran. 

Gesunde Selbstregulation 

Bei der Selbstregulation geht es darum, gesunde Verhaltensweisen zu etablieren, die dir und deinen Mitmenschen langfristig nicht schaden, sondern zu deinem Wachstum und deiner Gesundheit beitragen. Nicht selten regulieren sich Menschen, indem sie kiffen, trinken, essen, schreien, lästern, und so weiter. Erinnere! Die meisten Menschen tun dies aus einem nachvollziehbaren Grund. Denn für viele sind diese Verhaltensweisen eine kurzfristige Erlösung von schwierigen und belastenden Emotionen (siehe Konsum als Belohnung). Das ist auch der Grund warum ungesunde dysfunktionale Selbstregulation so beharrlich ist. 

Daher möchte ich dir hier ans Herz legen, geduldig und wohlwollend mit dir zu sein. Denn es braucht Zeit, neue gesunde Verhaltensweisen zur Selbstregulierung zu erlernen. Wenn du es gewohnt bist, dich durch Alkoholtrinken oder Soziale Medien zu regulieren, das heisst dein System zu beruhigen, wird sich dein Körper erst einmal wehren, wenn du versuchst, dich mit neuen Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Yoga oder Schreiben, zu halten. Dein Körper und deine Seele müssen sich entwöhnen und eine neue Baseline erlernen. Das braucht etwas Zeit. Gib sie ihnen. Sie werden es dir danken. 

Was regulieren wir eigentlich?

Wir regulieren immer dann, wenn wir unser Denken, Fühlen oder Handeln in eine von uns gewünschte Richtung lenken (zum Beispiel ich möchte mehr lesen, weniger auf Instagram surfen, mehr schreiben, mich gut fühlen) und/oder einen Wert zu leben (zum Beispiel: gesund leben, gewaltfrei kommunizieren). In der Umsetzung ist gerade das direkte Regulieren von Emotionen und Gefühlen sehr schwierig. Ähnlich wie wir ein Lagerfeuer nicht direkt beeinflussen können, sondern nur auf indirektem Wege. Holz nährt die Flammen, Wasser löscht sie. Sehr bedauerlich! Denn oft sind es ja genau unsere Emotionen und Gefühle, die uns in ein ungewünschtes Verhaltensmuster katapultieren und die wir regulieren möchten.

Wie geht Selbstregulation?

Daher setzt die Selbstregulation meist beim Verhalten, beim Körper und bei den Gedanken an. Wege der Selbstregulierung gibt es unzählige, was sich in der Anzahl der einschlägigen Selbsthilfebücher widerspiegelt. Letzten Endes hat alles zum Thema Ziele erreichen, Verhalten verändern, neue Gewohnheiten etablieren mit Selbstregulation zu tun. Die gesamte Bandbreite dieser Strategien darzustellen, würde den Rahmen des Artikels sprengen. Daher möchte ich dir drei Strategien der Selbstregulation vorstellen, die sich in meiner Arbeit als Psychotherapeutin und auch als Privatperson als sehr hilfreich erwiesen haben:

Selbstregulation durch bewusste Atmung 

Dein Atem ist eine direkte Brücke zu deinem Stresssystem. Die genaue Atemphysiologie ist komplex. Jedoch lässt sich ganz allgemein sagen, dass die Einatmung aktivierend wirkt, während die Ausatmung beruhigend wirkt. Das liegt unter anderem an der Verkoppelung zwischen der Atmung und dem Vagusnerv sowie dem Parasympathischen Nervensystem. Mit einer langen, tiefen Ausatmung vermitteln wir unserem Körper, dass wir sicher, aufgehoben und geborgen sind. Unser Körper und unsere Seele können entspannen.

Daher eignet sich die bewusste Atmung mit Fokus auf der Ausatmung hervorragend zur Selbstregulation bei Stress, wenn du zum Beispiel das Gefühl hast, von Aufgabe zu Aufgabe zu jagen. Indem du bewusst deinen Atem wahrnimmst, diese sanfte Bewegung die deinen Körper belebt und umwebt, öffnest du den inneren Raum, um im Hier-und-Jetzt zu sein. Statt dich mit sozialen Medien, Essen oder Substanzen zu betäuben, kannst du dich für das Hier-und-Jetzt entscheiden. Neue Perspektiven und Möglichkeiten dürfen entstehen. Manchmal kann das auch bedeuten, den Herausforderungen zu begegnen. Denn es geht nicht darum, “Probleme wegzuatmen”. Indem du dich jedoch mit deinem Atem verbindest, wird dir das Gefühl zu Teil, dass du den Herausforderungen mit Zuversicht, Vertrauen und einem offenen Herzen begegnen kannst.

Selbstregulation durch bewusste Bewegung

Ähnlich wie mit deiner Atmung kannst du dich durch bewusste Körperbewegungen regulieren. Auch wenn Hormone und Neurotransmitter unser seelisches Erleben nicht gänzlich erklären, so können sie doch ein guter Hinweis für unser seelisches Milieu sein. Serotonin, Dopamin und Oxytocin vermitteln ein Gefühl des Wohlbefindens und der Genügsamkeit. Anstatt diese über den Konsum von Medien oder Substanzen zu empfangen, gehen wir in die bewusste Körperbewegung. Denn auch diese kann ein Lieferant von Wohlfühlhormonen und -neurotransmittern sein. 

Stress kennt zwei extreme Pole. Die Erstarrung auf der einen Seiten, der Kampf-Flucht Reflex auf der anderen Seite. In beiden Fällen geraten wir aus dem Fluss des Lebens. Manchmal fühlen wir uns blockiert, nichts scheint mehr vorwärts zu gehen. An anderen Tagen haben wir das Gefühl, gleich zu platzen und rennen wie der bekannte Hamster in unserem Rad der Aufgaben und Verantwortungen um unser Leben. In beiden Fällen kann die bewusste Bewegung uns wieder mit dem Fluss des Lebens verbinden. Sanfte, fliessende Bewegungen bringen dich behutsam aus der Erstarrung in einen Zustand der Ruhe und Stille. Kraftvolle dynamische Bewegungen lösen aufgestaute Energien und unser Kampf-Flucht Modus kann sich in bedachtes Tun verwandeln. Durch bewusste Bewegung, befreien wir uns aus unseren Reiz-Reaktions-Mustern. Unsere Seele darf wieder in den Fluss des Lebens kommen.

Die Kraft der Körperintelligenz nutzen

Dein Körper und deine Seele sind eng miteinander verwoben. Genauso wie sich dein seelisches Befinden auf deinen Körper auswirkt, kannst du die Sprache des Körpers nutzen, um mit deiner Seele zu kommunizieren (schau dir dazu gerne meinen Artikel: die Bildsprache des Yogas dazu an). Dies wird in der Fachsprache auch ein Bottom-Up Prozess genannt, da wir von unten nach oben, das heisst vom Körper zur Seele kommunizieren (was daher rührt, dass die Wissenschaft seelische Prozesse im Gehirn verankert).

Selbstregulation durch bewusstes Schreiben

In meiner Arbeit als Psychotherapeutin erlebe ich immer wieder, dass Menschen sich durch das Schreiben regulieren. Für die meisten Menschen kommt dieser Impuls ganz intuitiv. Niemand muss sie dazu auffordern. Ist es nicht beeindruckend, wie die Menschheit schon seit jeher über das Wort, und später in der Geschichte explizit das geschriebene Wort, Ausdruck gefunden hat? Das Wort berührt uns, unser Herz. Tief in uns wissen wir, dass unsere Gedanken und Gefühle einen Raum des Ausdrucks, jenseits von Urteil und Bewertung benötigen. Dieser Raum ist überlebenswichtig, gleich der Luft, die wir atmen.

Was unsere Herzweisheit auch ohne harte Fakten weiss, bestätigt die Wissenschaft durch moderne empirische Forschungsstudien. Das therapeutische Schreiben hat sich längst in klinischen Kontexten etabliert. In den 1980er Jahren führte Dr. James W. Pennebaker grundlegende Forschungsstudien zu der therapeutischen Wirkung des Schreibens in unheilbar kranken Brustkrebspatientinnen sowie traumatisierten Menschen durch und ebnete den Weg für das therapeutische Schreiben. Es folgten viele weitere Studien, die auf die positiven Effekte dieser Methode auf die seelische sowie die körperliche Gesundheit hinwiesen. Menschen mit einer HIV Erkrankung präsentierten ein resilienteres Immunsystem, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma und Arthritis präsentierten weniger Symptome (Petrie et al., 2004). Schreiben ist sicher kein Allheilmittel. Dennoch hat es das Potential seelische Prozesse in Bewegung zu bringen und somit zu einer ganzheitlichen Genesung beizutragen.

Schreiben kann auch ein Weg der Regulation sein. Es bietet uns ein Ventil für starke Emotionen und Gedanken, deren Heftigkeit viele Menschen nur dann aushalten können, indem sich sich mit Medien, Essen, Drogen betäuben. Wir erfahren ein Gefühl der Verarbeitung aber auch Würdigung des Erlebten. Ferner lernen wir, dass wir unseren Gefühlen und Gedanken begegnen können, ganz ohne Hilfsmittel. Wir lernen: ich kann, ich bin!

Was nun? Selbstregulation entsteht durch Tun!

Selbstregulation entsteht und wächst durch dein Tun. Wie heisst es so schön: “Machen ist wie Wollen, nur krasser!” Je öfter du dich, deine Gedanken und Gefühle von Herzen regulierst (also wohlwollend, mitfühlend), desto stärker und verlässlicher wird deine Selbstregulation. Auch dein Vertrauen in deine Selbstregulation wächst. Wichtig ist, dass du deine Strategien findest und dich fortwährend auf diese besinnst. Sei nicht entmutigt, wenn dir der Akt der Selbstregulation einmal nicht gelingt. Bleib dran! Denn nur so kann deine Selbstregulationsfähigkeit wachsen.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr es mir ein Anliegen ist, dass wir uns alle in unserer Selbstregulation stärken. Dass wir mit Mut unser Leben ergreifen, es in die Hand nehmen und daran glauben, dass wir uns regulieren können. Je besser du dich regulieren kannst, desto freier wirst du dich fühlen. Selbstregulation ist einer der wichtigsten Fähigkeiten, die wir besitzen. Lasst sie uns nutzen!

Selbstregulation

Quellen: 

Petrie KJ, Fontanilla I, Thomas MG, Booth RJ, Pennebaker JW. Effect of written emotional expression on immune function in patients with human immunodeficiency virus infection: a randomized trial. Psychosom Med. 2004 Mar-Apr;66(2):272-5. doi: 10.1097/01.psy.0000116782.49850.d3. PMID: 15039514.

Mugerwa S, Holden JD. Writing therapy: a new tool for general practice? Br J Gen Pract. 2012 Dec;62(605):661-3. doi: 10.3399/bjgp12X659457. PMID: 23211255; PMCID: PMC3505408.

Im folgenden YouTube Clip erfährst Du, wie Dr. Steven Hayes seine Ängste überwunden hat.

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